8. Schöneberger Forum 2005Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
warum ist den Beamtinnen und Beamten verwehrt, was für andere Beschäftigte im öffentlichen Dienst und in der Wirtschaft selbstverständlich ist: ihre Angelegenheiten als Arbeitnehmer zu verhandeln und im äußersten Fall auch zu streiken? Der Mann oder die Frau auf der Straße wird auf diese Frage allenfalls äußern, dass die öffentliche Ordnung nicht beeinträchtigt werden darf. Die wenigsten wissen, dass es keine echten Verhandlungs- und Gestaltungsrechte gibt.
Doch mit dem Auftreten neuer Konfliktfelder im öffentlichen Dienst hat das Bedürfnis der Beamtinnen und Beamten nach kollek-tiver Interessenvertretung stark zugenommen. Das zeigen die Erfahrungen mit Einkommenskürzungen und Arbeitszeiterhöhungen, denen Beamtinnen und Beamte ohne Recht auf Tarifverhandlungen wehrlos gegenüber stehen. Und von betrieblichen Interessen-vertretungen wird zunehmend erwartet, dass sie sich nicht nur für die allgemeinen Arbeits-bedingungen, sondern auch für die Konfliktregulierung im Einzelfall stark machen.
Ist eine eingeschränkte Interessenvertretung der Beamtinnen und Beamten in einem modernen öffentlichen Dienst noch zeitgemäß? Wie könnten Verhandlungsrechte in Zukunft ausgestaltet sein? Welche Ansätze verfolgen unsere europäischen Nachbarn? Welche Gestaltungsrechte haben Beamtinnen und Beamte in anderen Ländern?
Das diesjährige Schöneberger Forum wird sich unter dem Motto
Gestaltungsrechte der Beschäftigten im öffentlichen Dienst
Tarifautonomie – Beteiligungsrechte – Mitbestimmung
mit diesen Fragen befassen. Im Mittelpunkt unserer zweitägigen Veranstaltung stehen die betriebliche Mitbestimmung im öffentlichen Dienst und die Beteiligungsrechte von Beamtinnen und Beamten. Wir wollen Modernisierungsansätze für die Mitbestimmung diskutieren, die kollektivrechtliche Situation von Beamtinnen und Beamten in Europa beispielhaft erörtern und neue Handlungsoptionen aufzeigen, wie gewerkschaftliche Beteiligungsrechte weiterentwickelt werden können.
Rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem öffentlichen Sektor, der Wissenschaft, der Wirtschaft, den Gewerkschaften und der Politik werden auf dem traditionellen DGB-Beamtenforum im Rathaus Schöneberg erwartet.
Wir laden auch Sie zu dieser Tagung nach Berlin herzlich ein.
Ingrid Sehrbrock
Mitglied des Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstandes
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